Höchste staatliche Auszeichnung für Heimat- und Umweltpflege: FGV-Ortsverein Niederlamitz mit der Eichendorff-Plakette geehrt
Es ist eine große Ehre für das regionale Ehrenamt:
In einem feierlichen Festakt im voll besetzten TSV-Heim wurde der Ortsgruppe Niederlamitz des Fichtelgebirgsvereins (FGV) die Eichendorff-Plakette verliehen. Die von Bundespräsident Karl Carstens im Jahr 1983 gestiftete Auszeichnung gilt als die „höchste staatliche Anerkennung“ für Wander- und Gebirgsvereine in Deutschland. Sie würdigt Vereine, die sich seit mindestens 100 Jahren um die Pflege des Wanderns, des Heimatgedankens und den Schutz der Natur verdient gemacht haben. Die offizielle Auszeichnung wurde feierlich durch den stellvertretenden Regierungspräsidenten Thomas Engel und den Wunsiedler Landrat Peter Berek übergeben. Beide hoben in ihrer Laudatio die herausragenden Leistungen der 1924 gegründeten Ortsgruppe hervor. Ein entscheidender Ausschlag für die Ehrung war die jahrzehntelange, ehrenamtliche Pflege des sensiblen Naturdenkmals Hirschloh– ein einzigartiges Übergangsmoor bei Niederlamitz, das maßgeblich unter der langjährigen, verdienstvollen Leitung von Manfred Gnichtel steht und als Musterbeispiel für den regionalen Naturschutz gilt.
Vereinsvorsitzende Sabine Zink, die die begehrte Plakette sichtlich stolz entgegennahm, würdigte Berek mit den Worten: Sie zeichne sich durch tiefe Demut aus, bleibe stets am Boden und agiere als echte Botschafterin fürs Ehrenamt mit Herz. Auch der FGV-Hauptvorsitzende Rainer Schreier gratulierte der Vereinsführung vor Ort herzlich und würdigte die vorbildliche Arbeit der Niederlamitzer, die ein leuchtendes Beispiel für den gesamten Hauptverein darstelle. Besonders erwähnte Schreier die Arbeit von Manfred Gnichtel und Werner Bergmann, ohne ihn ist Kultur und Heimatpflege in Kirchenlamitz nicht denkbar.
Wie tief der Verein in der Region und der Politik verwurzelt ist, zeigte die lange Reihe hochkarätiger Gratulanten, die in ihren Grußworten das unermüdliche Engagement würdigten.
Der Bundestagsvizepräsident Thomas Engel betonte in seiner Ansprache das beeindruckende Wegenetz: Die Betreuung von stolzen 30 Kilometern Wanderwegen( + 62 km Kirchenlamitz) und den Kirchenlamitzer Kulturwanderweg, die von der Ortsgruppe vorbildlich gemeistert werde.
Zudem ging er auf den ökologischen Wert der Vereinsarbeit ein: Orte wie das Moor Hirschloh stellten ein unverzichtbares, artenreiches „Mosaik an Lebensräumen“ dar, das für den regionalen Naturschutz von unschätzbarem Wert sei.
Landtagsabgeordnete Holger Grießhammer lobte die vitale Gemeinschaft in Niederlamitz und hob hervor, dass der Verein ein unverzichtbarer Kulturträger für das gesamte Fichtelgebirge sei.
Auch der Bundestagsabgeordnete Heiko Hainbschloss sich den Glückwünschen an und unterstrich in seinem Grußwort, dass die Auszeichnung der verdiente Lohn für Generationen von aktiven Heimatpflegern sei.
Für die zuständige Kommune überbrachte der Bürgermeister von Kirchenlamitz, Jens Büttner die Glückwünsche der Stadt. In seiner Ansprache hob er besonders hervor, dass er als Rathauschef den Vergabeprozess von Anfang an tatkräftig begleitet und den offiziellen Antrag für die Verleihung der Eichendorff-Plakette maßgeblich unterstützt hat.
Ein besonderes Zeichen der lokalen Verbundenheit setzten zudem Manuel Lessner, der Kommandant der örtlichen Feuerwehr und Wölfel Rudolf von der Dorfgemeinschaft Niederlamitz. In ihren Grußworten hoben sie die enge Kooperation zwischen den Vereinen hervor – im ländlichen Raum halte man eben zusammen. Die Verleihung der Plakette, die das Porträt des bedeutenden romantischen Dichters Joseph von Eichendorff trägt, bleibt somit ein dauerhaftes Symbol für den unschätzbaren Wert dieses lebendigen ehrenamtlichen Netzwerks.
In ihrer Dankesrede bedankte sich Sabine Zink bei allen Ehrengäste für Ihr Kommen, betonte die Gastfreundschaft des TSV Niederlamitz und begrüßte die Gäste aus den Nachbarortsgruppen Franken, Wunsiedel, Weißenstadt, Schwarzenbach/S. und Selb-Plößberg. Ebenso begrüßte sie Monika Schachtner, die sich seit vielen Jahren um den Kornbergturm und die Turmdienste kümmert. Unter dem Motto: **Gemeinsam unterwegs seit 1924**, ließ die 1. Vorsitzende des FGV Niederlamitz die vergangenen 100 Jahre Revue passieren. 100 Jahre gelebte Gemeinschaft, Heimatliebe und unzählige Schritte durch unsere wunderschöne Natur.
Sie erinnerte an die Geburtsstunde Ortsgruppe Niederlamitz: Es war mitten im Winter, am 12. Januar 1924. An diesem Tag kamen 40 entschlossene Männer und Frauen im Gasthof Wustung zusammen, um die Ortsgruppe Niederlamitz aus der Taufe zu heben. Man wollte eigenständig anpacken, die Wege rund um unseren Hausberg, den Großen Kornberg, selbst gestalten und pflegen. Genau das haben wir ein Jahrhundert lang mit Bravour getan. Sie nannte Ernst Maier, der nach dem Tod von Herrmann Haberl die Vereinsführung für 35 Jahre übernahm und diesen beeindruckend führte, mehr als ein Drittel des gesamten Jahrhundert-Jubiläums!
Unter seiner Führung wurde Meilensteine erreicht, die bis heute nachwirken – allen voran der Kauf des geschätzten Biotops Hirschloh im Jahr 1984, aber auch die liebevolle Pflege des Brauchtums. Maier führte durch Höhen und Tiefen und ging immer mit bestem Beispiel voran.
Die Weitsicht, die er über Jahrzehnte vorgelebt hat, setzen der FGV Niederlamitz fort. Denn die Geschichte bleibt nicht stehen. Und genau 100 Jahre nach Gründung schließt sich der Kreis auf die schönste Art und Weise. Die Ortsvereine Niederlamitz und Kirchenlamitz fusionieren und wachsen fest zusammen! Was für ein wunderbares Zeichen von Zusammenhalt. Jetzt werden gemeinsam Schritte gezählt, Wege betreut, Projekte wie den neuen Kulturweg voran getrieben und Heimat bewahrt.
Doch wovon lebt unser Verein im Alltag? Es sind die liebgewonnenen Traditionen und die Gesichter, die unsere Gemeinschaft Woche für Woche prägen. Da ist zum einen eine ganz besondere Institution, die von unserer damaligen Wanderwartin Gerda Purucker mit viel Herzblut ins Leben gerufen wurde: die „Wanderungen für Junggebliebene“ an jedem zweiten Dienstag im Monat. Sie hat gezeigt, dass man im Herzen immer jung bleibt, wenn man zusammen die Stiefel schnürt. Und wir sind unendlich dankbar, dass dieses Erbe von Gisela und Ralf Turhober so großartig weitergeführt wird!
Aber das Vereinsleben hat noch ganz andere, unverwechselbare Markenzeichen. Erwähnt wurde das traditionelles „Stolltrampeln“ im Winter – ein fester Termin, bei dem Wind und Wetter getrotzt wird und das neue Jahr in Gemeinschaft begrüßt wird. Weiter nannte Sabine Zink den treuen Turmdienst am Kornberg! Dieses Engagement beim Turmdienst und bei der Wegepflege zeigt, dass der FGV Niederlamitz anpackt, wo er gebraucht wird.
Mit diesen Worten bedankte sich Sabine Zink bei ihrem Verein und Helfern und wünschte allen einen geselligen Nachmittag mit guten Gesprächen.
Text und Bild: Tanja Knudsen (FGV OG Niederlamitz)
